Sinn
der Projekte
Ein Auslandaufenthalt bietet nicht nur beruflich, sondern auch
kulturell besondere Möglichkeiten. Dort haben die Menschen
eine andere Geschichte, sie haben andere Chancen, Risiken und
Herausforderungen. Die Wahrnehmung einer solchen Andersartigkeit
stellt uns in Deutschland in bezug auf unser Lebensgefühl
in Frage und wir müssen uns neu orientieren. Das ist ein
Prozess, der unser transkulturelles Verständnis erweitern
und uns von Vorurteilen freier machen kann. Voraussetzung ist
allerdings, dass wir uns während des Auslandaufenthaltes
ernsthaft mit dieser kulturellen Andersartigkeit auseinandersetzen.
Das geforderte kulturelle Projekt soll diesen Prozess unterstützen.
Die bisherige Erfahrung der Studierenden hat gezeigt, dass sie
dank des Projektes während ihres Auslandaufenthaltes zu
Wahrnehmungen und zu Erlebnissen kommen konnten, die sich ohne
das Projekt nicht realisiert hätten. Je methodischer ihr
Vorgehen war, desto grösser war auch ihr Gewinn. Zudem
ist es für Studierende ohnehin sinnvoll, Erfahrung in der
Antragstellung von Projekten und der Abfassung von Berichten
zu sammeln, einer Tätigkeit, die heute zu den meisten akademischen
Berufen gehört. Die folgenden Hinweise haben den Sinn,
die Studierenden zu unterstützen.
Antragstellung
Die Studierenden sind in der Wahl des Themas völlig frei.
Es soll aus ihren persönlichen Interessen herauswachsen.
Im Zentrum eines Antrages für ein Projekt steht immer eine
explizit formulierte Fragestellung. Ihr Interesse muss in einer
Einleitung aufgrund der persönlichen Lebenserfahrung des
Antragstellers und der Literatur begründet werden. Zur
Beantwortung der Frage ist eine Methodik erforderlich, die ebenfalls
genau beschrieben werden soll. Nur so wird Glaubhaftigkeit dafür
geschaffen, dass die Antragstellerin in der Lage sein wird,
diejenigen Daten zu beschaffen, welche erforderlich sind, um
seine Fragestellung sinnvoll zu beantworten. Aus diesen Überlegungen
ergeben sich für die Darstellung des Projektes folgende
Untertitel:
1. Begründung des Projektes
2. Fragestellung
3. Methodik,
4. Literatur
Bericht
Oft sind die Verhältnisse im Ausland vor Ort nicht so,
wie sie aufgrund der Vorarbeit in Deutschland erwartet worden
sind. Entsprechend kann die Sammlung der Daten und die weitere
Sichtung der Literatur zu einer mehr oder weniger neuen Situation
führen. Das ist nicht ein Fehler, sondern Teil der Erfahrung,
die im Ausland immer wieder gemacht wird. In solchen Fällen
darf der Stipendiat das Projekt noch einmal neu betrachten
und einfach anpassen. In dem Bericht sollen die Fragestellungen
neu formuliert, die Änderungen begründet und die
verwandten Methoden beschrieben werden. Der Projektbericht
muss nicht unbedingt den im Antrag formulierten Erwartungen
entsprechen. Er soll vielmehr das aus der neuen Situation
Entwickelte wiedergeben.
Generell ist eine reflektierte Prozessbeschreibung sinnvoller
als eine reine Ergebnispräsentation. Dies gelingt am
besten, wenn man sich noch einmal Schritt für Schritt
die Projektbearbeitung vor Augen führt und sich dabei
von folgenden Fragen leiten lässt:
1. Von welcher Fragestellung bin ich ursprünglich ausgegangen
und wie kam ich zu meinen Fragen? Wie sind sie begründet?
2. Welche Schritte habe ich unternommen, um die Fragen zu
beantworten? – Was passierte dabei, d.h. mit welchen
unerwarteten Problemen wurde ich konfrontiert, was für
(unerwartete) Antworten erhielt ich, so dass ich meine ursprünglichen
Fragen u. U. modifizieren musste? – Wie bin ich weiter
Schritt für Schritt vorgegangen?
3. Welche Erlebnisse und Ergebnisse traten dabei auf?
4. Was bedeutet das Wahrgenommene, Gehörte und Erlebte
jetzt für mich nach Abschluss des Projekts? – Welche
Fragen sind noch vorhanden bzw. neu aufgetreten? An dieser
Stelle ist die Reflexion gefragt.
Auch wenn die Mehrzahl der kulturellen Projekte nicht nach
einem streng wissenschaftlichen Studiendesign durchgeführt
werden, gibt es doch in der Berichterstattung einige bedenkenswerte
Parallelen zu den in der "scientific community"
üblichen Ergebnispräsentation.
Keineswegs sollen durch ein vorgegebenes Schema der Kreativität
der Darstellung Fesseln angelegt werden. Es wird den Studierenden
lediglich empfohlen, ihren Auseinandersetzungsprozess mit
der fremden Kultur anhand der o.g. Fragen zu reflektieren,
damit sie die oft verwirrenden oder irritierenden Erfahrungen
strukturieren können.
Bei Gemeinschaftsprojekten ist Transparenz über die Leistungen
der verschiedenen Mitwirkenden für die Stiftung wichtig.
In der Darstellung des Berichtes soll deshalb am Anfang in
einer Fußnote klargestellt werden, wer welchen Teil
beigetragen hat.
Für das Kuratorium
Prof. Johannes Bircher
Reuelweg 20
CH-3045 Meikirch
Publikationsschema
des New England Journal of Medicine (NEJM)
1. Zusammenfassung (Abstract): Sie wird in der Regel zuletzt
geschrieben, d.h. wenn man den Überblick hat. Sie ist
das Schaufenster zum Bericht und soll kurz und informativ
sein.
2. Methodik (Methods): möglichst genaue Angaben, wie
die Daten gesammelt worden sind, denn aus der Methodik leiten
sich die Schlussfolgerungen und deren Grenzen ab.
3. Resultate (Results): Die Erhebungen werden praktisch ohne
Interpretation dargestellt.
4. Beurteilung (Discussion): Hier werden zunächst die
Grenzen der möglichen Schlussfolgerungen aufgezeigt und
dann die möglichen Schlüsse einzeln gezogen. In
erster Linie ist die Beurteilung der Ort der Reflexion.
5. Literatur
Dieses Denkschema hat den Vorteil der intellektuellen Disziplin
und Klarheit und erzeugt deshalb beim Leser eine besonders
große Überzeugungskraft. Sie liegt darin begründet,
dass ohne Betrachtung der angewandten Methoden keine nachvollziehbaren
Schlussfolgerungen möglich sind. Zudem wird die Darstellung
der gesammelten Daten von der Interpretation getrennt. Das
überlässt es dem Leser, für sich aus den Resultaten
auch andere Schlussfolgerungen zu ziehen. Zudem ist es ein
hoher Wert, dass der Autor seine persönliche Beurteilung
der Daten formulieren muss. Die Anpassung des Schemas an konkrete
Projekte ist selbstverständlich mit einer gewissen Flexibilität
vorzunehmen. Es kann z.B. auch noch innerhalb der einzelnen
Abschnitte mit Untertiteln versehen werden.
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